Feuerwehr Emmen

 
     
 
 
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Geschichte


175 Jahre Feuerwehr Emmen

Querschnitt durch die Geschichte unserer Feuerwehr

In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde unsere Gemeinde zu der politischen Einheit, die sie heute noch darstellt. 1836 erteilt die Kantonale Justiz- und Polizeikommission der Gemeinde den Auftrag, eine Feuerspritze anzuschaffen. Gemeinderat und Gemeindever-sammlung stimmen dieser Anschaffung zu, denn die Notwendigkeit einer Feuerspritze ist unbestritten. Damit ist auch der Grundstein für die Feuerwehr Emmen gelegt. Inwieweit auf dem damaligen Gemeindegebiet schon vorher Mannschaften oder Geräte zur Feuerbekämpfung bereitgehalten wurde ist nicht bekannt.
Im gut dokumentierten Bericht über den Grossbrand in der Luzerner Altstadt anno 1833 sind sämtliche hilfeleistenden Spritzen und Feuerrotten namentlich aufgeführt. Es finden sich darunter keine solchen aus unserem Gemeindegebiet, wohl aber aus der Nachbarschaft. Hätten aber entsprechende Mannschaften bestanden, wären diese den Luzernern sicherlich zu Hilfe geeilt.


Als einzige schriftliche Quelle über das Feuerwehrwesen unserer Gemeinde dienen bis 1884 die Gemeinderatsprotokolle. Darin finden sich dann auch immer wieder entsprechende Hinweise:

  • Wahlen und Entlassungen von Feuerhauptleuten
  • Bestimmung der Feuerläufer, Feuerrotten und Feuerreiter
  • Erlasse betreffend der Alarmierung mittels Glockengeläute
  • Bau von Feuerweihern und Schwellvorrichtungen in Gerliswil
  • Ermahnungen und Verpflichtungen zur Spritzenfuhr.

1884 verfasst der damalige Feuerhauptmann Brunner das erste Feuerwehrreglement. Damit erhalten wir auch erstmals Auskunft über die genaue Organisation der Wehr:
1 Feuerhauptmann
2 Spritzenmannschaften
1 Haken- und Leiternkorps
1 Rettungs- und Flöcknerkorps
1 Brand- und Polizeiwache
Feuerreiter
Spritzenfuhrverpflichtete


Aus jener Zeit stammt auch der Auszug aus einem Inspektionsbericht: „Emmen hat eine gut durchgeführte Feuerwehr (man ist versucht zu sagen: schon damals!), Fleiss und Schulung fehlt ihr nicht. Jedoch ist nicht zu verstehen, als dürften die Hände nun in den Schoss gelegt werden.“
Im gleichen Bericht wird auch die Leistung der Saugspritze zu Emmen und der Schöpfspritze zu Gerliswil lobend erwähnt, wogegen „vom Schlauchmaterial in Gerliswil 4/5 in defektem Zustand sich befinden“.

Als weitere Marksteine im ausgehenden 19. Jahrhundert wären dann noch zu nennen:

  • 1895 Mitbegründung des Kantonalen Feuerwehrverbandes
  • 1900 Bezug des neuen Feuerwehrrequisitengebäudes Gerliswil (altes Gemeindehaus)

1901 bis 1930: Im Jahre 1908 wird das Reglement der Feuerwehr den neuen Verhältnissen angepasst. Nachdem ab 1895 mit dem Ausbau einer Wasserversorgung begonnen worden war, formierte die Feuerwehr Hydrantencorps. Deutlich zeichnet sich jetzt auch die Trennung in einen Löschzug Gerliswil und Emmen ab. Dazu kommt als kleineres „Kuriosum“ die Feuer- und Wasserwehr Emmenweid, die zwar einen eigenen Kommandant hat, aber trotzdem im Reglement der Gemeinde figuriert.
Es ist nun auch eine Uniformierung der Mannschaft vorgesehen. Ein Bild von 1905 (Löschzug Emmen) zeigt die damalige Kleidung und Ausrüstung. Einzig die Pompiers – sie halten das Pumpwerk der Spritze in Betrieb – erhalten nur eine Armbinde. Diese hätten Kittel und Helm ob ihrer, schweisstreibenden Arbeit ohnehin ausgezogen.
Erstmals wird die Feuerwehr auch besoldet: –.50 / –.70 / 1.– pro Stunde.

Ab 1919 wird in der Feuerwehrkommission offiziell ein Protokoll geführt. 1924 erwirbt die Wehr eine mechanische Schiebeleiter. Im gleichen Jahr kann das neue Spritzenhaus Emmen bezogen werden. Darauf hatte der Löschzug Emmen schon sehnlichst gewartet. Um das Bauvorhaben voranzutreiben rissen sie das alte Spritzenhaus eines Nachts einfach ab, nachdem sie zuvor die wichtigsten Gerätschaften daraus entfernt hatten.

1928 hält die Motorisierung Einzug in unserer Wehr: Die Anschaffung der Autospritze FBW darf als eigentliche Pioniertat bezeichnet werden. Noch heute, nach bald 60 Jahren, steht das Fahrzeug immer noch im Einsatz bei unserer Wehr.


1930 bis 1950: Den Erfordernissen der Zeit entsprechend wird 1931 eine Pikettgruppe formiert, deren Eingeteilte nach und nach der Telefonalarmstelle auf dem Polizeiposten Emmenbrücke angeschlossen werden.
Auch dem Schutz vor giftigen Rauchgasen wird mit dem Kauf von sechs „Rauchfiltermasken“ Rechnung getragen. Der eigentliche Atemschutz beginnt aber erst mit dem Ende des 2. Weltkrieges, als die FW drei KG vom LS übernimmt.
1934 wird das Feuerwehrreglement ein weiteres Mal erneuert. Die Autospritze FBW verursacht in diesen Jahren hohe Unterhalts- und Reparaturkosten. Deshalb schränkt man ihren Einsatz in zumutbarem Rahmen ein.

Unser Bild zeigt ihn im Einsatz anlässlich eines Wohnhausbrandes im Meierhöfligebiet.

Die Jahre des 2. Weltkrieges sind dann gekennzeichnet durch Personalknappheit, Zusammenarbeit mit dem LS und der Anschaffung einer ersten Motorspritze (Bühne).


1946 beschafft die FW ihr erstes Pikettfahrzeug. Aus einem Occassionsfahrzeug der Marke „Packard“ entsteht ein wahres Prunkstück. Lange Jahre diente der Packard in der Wehr, bis er mit der Neumotorisierung in den 60er Jahren an einem unbekannten Ort verschwand. Dies geschah übrigens auch mit anderen Ausrüstungen, so mit den beiden Saugspritzen. Sachdienliche Hinweise würde die heutige Wehr noch gerne entgegennehmen.

1950 bis heute: Das wesentliche Merkmal der letzten 35 Jahre besteht in einer ständigen Zunahme der Aufgaben der Feuerwehren. So erstaunt es nicht, dass eine markante Erweiterung des Fahrzeugbestandes und der Gerätschaften die Folgen waren. Parallel dazu wuchs die Zahl der Übungen und Einsätze.

Da Ihnen diese letzten Jahre sicher noch mehr oder weniger gut in Erinnerung sind, möchte ich mich auf ein paar wichtige Punkte beschränken:

  • Zwischen 1951 und 61: Anschaffung von insgesamt sieben neuen Zug- und Transportfahrzeugen, darunter: TLF Saurer, Pulverlöschfahrzeug UNIMOG und AS-Fahrzeug TAUNUS.
  • 1972 Bezug des Magazines vis à vis Hotel Landhaus
  • 1975 Ölwehrfahrzeug / 1980 ADL
  • Die prekären Platzverhältnisse zwingen die Feuerwehr, Gerätschaften an vier verschiedenen Orten einzustellen. Unser neues, zweckmässig eingerichtetes Feuerwehrgebäude an der Neuenkirchstrasse löst diese Probleme schlagartig. Es wird 1984 bezogen und mit einem Tag der offenen Tür festlich eingeweiht.
  • Die letzten beiden Jahre bringen der Feuerwehr nochmals drei neue Fahrzeuge: Pionier-/Pulver-/Chemiefahrzeug, neues TLF und AS-Fahrzeug.

Damit, meine sehr verehrten Anwesenden, wäre unser kurzer Streifzug durch die Emmer Feuerwehrgeschichte beendet. 150 Jahre aktiver Feuerwehrdienst sind eine stolze Zahl für unsere Wehr. Das Jubiläum soll Gelegenheit bieten, Rückblick zu halten, gleichzeitig aber auch Ansporn für die heutige und zukünftige „Feuerwehrgenerationen“, ihre Aufgabe weiterhin pflichtbewusst und ernsthaft wahrzunehmen, getreu der alten Devise:

„Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“

Bericht von Hans-Peter Spring

 

Löschwasser–Spritzer


Schon in den 20er Jahren wurde eine Agathafeier durchgeführt. Vor der Feier erging jeweils eine Einladung an alle Eingeteilten. Darin wurden diese aufgefordert, sich in Form von Produktionen wie Couplets, Beiträge in die „Bierzeitung“, usw. an der Feier zu beteiligen.
Vor einigen Jahren lud unsere Feuerwehr auch erstmals die Frauen zu diesem Anlass ein. Dass dies keineswegs erstmalig war, zeigt eine Einladung aus dem Jahre 1926: „Dass aber auch die Tanzlustigen auf ihre Rechnung kommen, möchten wir Sie jetzt schon ersuchen, die „bessere Ehehälfte“ oder solche die es werden wollen, zu diesem Anlasse mitzubringen. Sie sollen auch einmal erfahren, wie gemütlich es bei der Feuerwehr hie und da gehen kann. Manch eine wird dann in Zukunft umso eher Absolution erteilen, wenn die Feuerwehrprobe auch gar zu lange dauern sollte.“
„Aber halte la!“ wird mancher von Euch ausrufen. Das kostet wieder so und soviel. Nur gemach, es wird nicht so schlimm. Seit Jahren haben wir eine Feuerwehrkasse und dieselbe von Zeit zu Zeit so geäuffnet, dass jedem Feuerwehrmann ein währschaftes Nachtessen gratis serviert werden kann.“ Soweit der Ausschnitt aus besagtem Einladungsbrief.

In den Akten fand sich dann auch die Rechnung von Alois Sigrist zum „Sternen“:

76 Nachtessen ä 3.70

281.20

2/2 Lt. Kalterer (Bühne)

2.80

3/10 Lt. Kalterer (Coiffeur)

1.00

Summa

285.00


Wahrlich eine „billige“ Agathafeier – gemessen an heutigen Verhältnissen!

Das Programm besagter Agathafeier ist ebenfalls erhalten. Es kann einer für diesen Anlass gestalteten Zeitung entnommen werden mit dem sinnigen Namen „Alarmbläser von Emmen“:

In der gleichen Zeitung findet sich unter dem Titel „Neue Bücher“ folgendes Inserat:

„Von der alten Hütte zum neuen Feuerwehrgebäude“, unter besonderer historischer Berücksichtigung jener denkwürdigen Abbruchnacht. Dissertation zur Erlangung der Feuerwehroffiziers würde von L.S. Das Buch trägt wesentlich bei zur Enthüllung des mysteriösen Falles.

Mit diesem Inserat wird auf einen Vorfall angespielt, der sich in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober 1923 ereignete.

Schon seit einiger Zeit gab der schlechte Zustand des damaligen alten Feuerwehrrequisitengebäudes in Emmen zu Diskussionen Anlass. So wurde dieser an der Inspektion von 1922 durch den Inspizierenden ebenfalls gerügt. Scherzend soll Herr Inspektor Meier aus Kriens den Emmern geraten haben: „Tragt doch das Spritzenhaus an die Reuss hinunter!“ In der Folge haben die Emmer Kameraden sogar ein entsprechendes „Spritzenhauslied“ komponiert.

Im Oktober 1923 schritt man dann zur Tat. Lassen wir das Protokoll „sprechen“: „Nachdem man sich dann am Abend des 18. Oktober genügend Mut angetrunken hatte, wurde etwas nach Mitternacht Hand angelegt. Die Spritze und alle andern Feuerwehrrequisiten, die man für einigermassen wertvoll glaubte, waren vorher in der „Sternen“-Scheune untergebracht worden. Beteiligt waren, wie man herausbringen konnte, etwa 8 bis 10 Mann, an deren Spitze Wachtmeister L.S. Natürlich trifft nicht diese 8 bis 10 Mann allein die Schuld, weil sie Hand anlegten an das verhasste Objekt; der Grossteil der andern Feuerwehrmänner von Emmen, die unablässig schürten, ist ebenso mitbeteiligt.“
Das alte Spritzenhaus wurde also in einer „Nacht- und Nebel-Aktion“ niedergerissen. Die Folge war, dass der Neubau des Emmer Spritzenhauses beschleunigt wurde. Es konnte 1924 bezogen werden...

Im Reglement von 1884 sind die Namen und Pflichten der einzelnen Korps aufgeführt. Darunter gibt es Begriffe, die heute schon längst vergessen sind:
Die Auszüger sollen sich verzüglich mit der Behandlung, Reinigung und mit den nöthigen Übungen der Spritze bekannt machen.
Die Pompiers haben innert der Gemeinde das Pumpwerk der Spritze in Bewegung zu setzen. Zur Rettung von Menschen, Vieh und Geräthschaften hatte das Rettungs- und Flöknerkorps anzutreten. Das Gerettete musste nach Weisung des Kommandanten an einen sicheren Ort in der Kirche oder ins Schulhaus gebracht werden, wo es vom Wachtkorps gesichert wurde.
Die Brand- und Polizeiwache ist dem Feuerhauptmann in Handhabung guter Ordnung behülflich. Die Wache hält auf allfällige Diebe ein scharfes Augenmerk und arretiert die Verdächtigen.
Schlussendlich sind da noch die Feuerreiter. Diese stehen zur Verfügung des Kommandanten und haben dessen Befehle und Aufträge inner- und ausserhalb der Gemeinde schnellstens zu befördern. Die Feuerreiter mussten im Brandfall zu Pferd einrücken.
Die heutigen modernen Brandmeldeanlagen führen hie und da zu Fehlalarmen. In den 30er Jahren wurde einst ein Feuerwehreingeteilter von Kameraden absichtlich falsch alarmiert. Dabei bedienten sich die beiden „eifrigen“ Feuerwehrler des Namens eines der Offiziere.
Die Feuerwehrkommission mass diesem Missbrauch des Alarmwesens die nötige Bedeutung bei. Die Fehlbaren wurden durch das Amtsstatthalteramt gebüsst.

Bericht von Hans-Peter Spring

 


Die Feuerwehr entsteht


Zahlreiche schriftliche Quellen, zeitgenössische Darstellungen und einzelne noch erhaltene Löschgerätschaften zeugen von den Anstrengungen, die im Verlaufe der früheren Jahrhunderte in unseren Städten unternommen wurden, um die immer wieder auftretenden, verheerenden Schadenfeuer zu verhindern oder zu bekämpfen. Die Notwendigkeit von vorbeugenden Massnahmen und einer organisierten Brandbekämpfung wurde in den Städten schon früh erkannt.
Gleichzeitig blieb man aber in den Weilern, Dörfern und kleinen Städten dem wütenden Element Feuer meist mehr oder weniger machtlos ausgeliefert. Es fehlte an Organisation, Mann- und zweckmässigen Gerätschaften. So erstaunt es auch nicht, dass entsprechende Quellen über das Feuerwehrwesen auf der Landschaft bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts eher selten sind. Dies änderte sich erst nach der Zeit der revolutionären Wirren und der Helvetik. In der Mediationszeit (1803 bis 1815) wurde die erste allgemeine Feuerordnung unseres Kantons erlassen (Allgemeine Feuerordnung vom 31.1.1811). Diese Verordnung enthält nebst Bestimmungen über den vorbeugenden Brandschutz, Vorschriften über die Feuervisitation und den Strafbestimmungen auch Hinweise über „Hilfsmittel gegen eine Feuersbrunst“, sowie „Zu beachtende Verordnungen beim wirklichen Ausbruch einer Brunst“. Als wesentliches Hilfsmittel zur „Hebung und gänzlichen Ablöschung eines Feuers“ wird darin die Feuerspritze empfohlen. Dörfer mit mindestens 50 Firsten wird die Anschaffung eines solchen Gerätes nahegelegt. Allerdings scheiterte dieses Unterfangen anfänglich an den bescheidenen Geldmitteln, wurden doch damals noch keine Subventionen gesprochen. Es verwundert also kaum, dass es Zeit und neue Verordnungen brauchte, bis auch auf der Landschaft die geforderten Mittel bereitgestellt wurden. Für die Gemeinde Emmen finden sich die ersten Berichte darüber ab dem Jahre 1836.

Allerdings gibt es in den Luzerner Rats- und Staatsprotokollen immer wie der Hinweise auf Brandfälle, so auch für das Gebiet der heutigen Gemeinde Emmen:

1644 Brand eines Hauses in Emmen
1686 Anschaffung von Feuerkübeln auf die Emmen-Brücke
1705 Brand einer Scheune in Emmen
1731 Kirchturmbrand in Emmen (Blitzschlag)
1786 Brand eines Hauses auf der Hochrüti, Emmen

1836 – Die Feuerwehr Emmen entsteht

Das Jahr 1836 gilt also als Entstehungsjahr der Feuerwehr Emmen. Es besteht zwar kein Gründungsdokument oder etwas ähnliches, aber es sprechen doch gewichtige Fakten für diese Jahreszahl:

- In der Schrift zum 50-jährigen Bestehen des Kantonalen Feuerwehrverbandes wird das Jahr 1836 offiziell als Gründungsdatum der Feuerwehr Emmen genannt. Dem Verfasser dieser Schrift müssen also entsprechende Informationen zur Verfügung gestanden haben. Leider finden sich im Archiv des Verbandes keine Hinweise mehr, obwohl die Feuerwehr Mitbegründerin des Kantonalen Feuerwehrverbandes war und mit Adam Troxler in den Anfangsjahren sogar ein Gerliswiler als Verbandsaktuar waltete.

- Im ersten Gemeinderatsprotokoll von Emmen (1836) befasst sich der erste Eintrag mit der neuen Feuerspritze, deren Anschaffung von der kantonalen Justiz- und Polizeikommission gefordert wird. Der Gemeinderat stimmt dieser Beschaffung zu, einige Tage später auch die Gemeindeversammlung. Jedenfalls ist in den kommenden Jahren jeweils von der Spritzmannschaft die Rede.

- Unsere Gemeinde erhielt ihre heutigen Grenzen erst in der Mediationszeit. Noch später erst, während der Regeneration (1831-1841), entstand auf Grund der neuen Verfassung die politische- oder Einwohnergemeinde. Vermutlich schon vorher bestehende Feuerwehrmannschaften kamen damit unter die Aufsicht des Gemeinwesens.

Im 19. Jahrhundert

In den Gemeinderatsprotokollen sind ab 1836 in unregelmässigen Abständen Bemerkungen über Feuerwehr-Angelegenheiten vermerkt. Es sind dies einerseits die Ernennung von Feuerwehrhauptleuten, Rottenführern, Feuerläufern und Spritzenverantwortlichen.
Verschiedene Erlasse regeln die Spritzenfuhr: Verschiedene, namentlich genannte Pferdehalter werden verpflichtet, im Ernstfall die Spritze zu führen.
Es finden sich dann auch Verwarnungen an solche, die ihre Pflicht vernachlässigt haben.
Weitere Verordnungen regeln die Alarmierung der Feuerwehr. Ein Beispiel dafür soll hier wörtlich wiedergegeben werden. Es stammt aus dem Jahre 1865:
Auf gestelltes Ansuchens des löbl. Kirchenrathes von hier: Es möchte gestattet werden, dass bei allfälligen Feuerbrünsten aussert der Gemeinde nur die zweitgrösste Glocke, und in der Gemeinde dagegen die Grösste geläutet werde,

wurde erkannt

1. Bei ausbrechenden Feuersbrünsten aussert der Gemeinde sei mit der zweitgrössten Glocke zu läuten.
2. Bei Brünsten in der Gemeinde selbst sind dagegen mit der Grössten,und je nachdem Gefahren drohen noch mit mehreren Glocken geläutet.
3. Mittheilung an titl. Pfarramt.

Die Alarmierung per Glockengeläute und Feuerhorn blieb auch noch bis ins 20. Jahrhundert hinein aktuell, wie dies weitere Bemerkungen in den Protokollen ausweisen.
1866 muss in Gerliswil ein Feuerweiher erstellt werden. Herr Gemeindeammann Anton Gürber nimmt auf dem bezeichneten Bauplatz einen Augenschein vor, zusammen mit Herrn Verwalter Helfenstein (Brandversicherung) und dem Feuerinspektor Michel Steffen. Dabei wird festgehalten, dass die Schwellvorrichtung im Bächlein neben dem „Eisenbahnbrüggli“ erhalten bleiben soll.

1887 fordert der Kantonsfeuerinspektor die Anlegung eines weiteren Weihers "im Lande von der Wirtschaft zur „Sonne“, unterhalb dem Brunnen. Ebenfalls sollte im Herdschwandbächlein beim grossen Damm eine Schwelle für den Einsatz der Spritze angebracht werden.

Sämtliche Verordnungen und Erlasse des Gemeinderates sind jeweils auf die Allgemeine Feuerordnung von 1811 abgestützt. Das ändert sich ab 1884, denn am 17. Dezember dieses Jahres wird das erste, schriftlich abgefasste Feuerwehrreglement unserer Gemeinde rechtskräftig. In diesem Reglement der „Feuerwehr und Löschanstalt Emmen“ sind erstmals die Aufgaben, Organisation und Pflichten der Emmer Feuerwehr aufgeführt.

Es gibt detailliert Auskunft über die Organisation des damaligen Corps:

II. Abschnitt

Organisation und Pflichten des Brandcorps

§ 3
Das gesammte Brandcorps ist gebildet:
1. Aus dem Feuerhauptmann
2. Der Spritzenmannschaft resp. zweien
a. Spritzenmeister (Chef)
b. Auszüger
c. Pompiers
3. Aus dem Hacken- und Leiterncorps
4. Rettungs- und Flöknerkorps
5. Brand- und Polizeiwache
6. Feuerreiter
7. Die Spritzenfuhr-Verpflichteten

In der Folge werden unter dem Kapitel "Pflichten" die Verrichtungen jeder Charge genaustens beschrieben.

Schon damals fanden auch Hauptübungen statt. Unter den Allgemeinen Bestimmungen lesen wir unter § 28:

Alle Jahre am 1. Mai (Maitag) hat eine gänzliche Musterung und Übung mit den sämmtlichen hier verzeichneten Mannschaften und Geräten stattzufinden. Der Feuerhauptmann verordnet das Nähere.

Und weiter unter § 25 (Bestrafung):

Ausbleiben bei den Uebungen oder Nichtausrücken bei Feuersnoth, Wiedersetzlichkeit gegen die Vorgesetzten oder sonstige Vergehen gegen dieses Reglement sollen mit einer Busse von 3 - 20 Fr. (!) bestraft werden. Im Wiederholungsfalle sind die Fehlenden nach dem Polizeistrafgesetzbuch des Kantons zu bestrafen. - Die Strafgelder bezieht der Gemeindeammann zu Handen der Polizeikassa.

Dieses Reglement wurde eigenhändig vom damaligen Feuerhauptmann M. Brunner geschrieben.

1888 erscheint im Gemeinderatsprotokoll ein Auszug des Rapportes des Kantonalen Feuerinspektors über die 1877 durchgeführte Feuerwehrinspektion in der Gemeinde Emmen. Die darin enthaltenen Anordnungen sollen unverzüglich getroffen werden, und der Feuerinspektor werde sich anlässlich einer Nachinspektion davon überzeugen. Es seien hier, zur Illustration, wie ein solcher Bericht damals etwa lautete, zwei Abschnitte ungekürzt wiedergegeben:

Emmen hat eine gut durchgeführte Feuerwehr, Fleiss und Schulung fehlt ihr nicht, jedoch ist nicht zu verstehen, als dürften die Hände nun in den Schoss gelegt werden. Eine immerwährende Aufmerksamkeit für die Löscheinrichtungen ist auch der Gemeinde anzuempfehlen.

Emmen Dorf hat eine sehr gute Saugspritze von Gingert und liefert per 1-fach Hub 3,5 Liter, dieselbe ist gut untergebracht und ebenso gut unterhalten. In Gerliswil ist eine Schöpfspritze platziert, welche sich, wie diejenige in Emmen bei der Probe gut bewährt hat. Dagegen sind die Schläuche sehr mangelhaft, indem 4/5 in defektem Zustand sich befinden. Leitern und Haken sind in genügender Anzahl vorhanden.

Im Dorfe Emmen ist Wasser genug vorhanden, indem die dortigen Sodbrunnen von der Reuss her gespiesen werden und bei vorkommenden Bränden die Saugschläuche in dieselben herabgelassen werden können und ohne Rückgang des Wassers gepumpt werden kann.

1892 wird erstmals die Frage eines Neubaus des Feuerwehrrequisitengebäudes in Gerliswil diskutiert. Es werden verschiedene Varianten geprüft, aber erst zur Jahrhundertwende kann das neue Gebäude (alte Gemeindekanzlei) bezogen werden.

1895 erfolgt die Gründung des Kantonalen Feuerwehrverbandes. Die Feuerwehr Emmen gehört zu den Gründungsmitgliedern, und im ersten Kantonalvorstand nimmt auch der amtierende Kommandant, Karl Schmid aus Emmen, Einsitz.

Die erste Hälfte des 20 Jahrhunderts

1895 erhält Emmen eine Wasserversorgung. Die Feuerwehr stellt sich bald auf diese Neuerung ein und bildet entsprechende Hydrantenabteilungen. Im Jahre 1908 wird ein neues Feuerwehrreglement in Kraft gesetzt. Das Reglement enthält genaue Angaben über Mannschafts- und Gerätebestände:

Die gesamte Feuerwehr der Gemeinde Emmen besteht aus drei Löschzügen und diesen ist an die Seite gegeben: 1 Brandwache (l0 bis 16 Mann), 1 elektrische Abteilung (2 bis 4 Mann) und eine Abteilung Sanitätsmannschaft (3 bis 6 Mann).

1. Löschzug (Löschzug Emmen)

Material:
1 Gerätewagen mit 2 bis 3 Anstell- und 4 Stockleitern,
1 Schlauchwagen mit ca. l00 m Transportschläuchen
1 Spritze mit l0 m Saug- und l00 m Transportschläuchen.

Personal:
1 Zugchef, zugleich Lieutenant der Spritze und der Schlauchmannschaft;
1 Chef des Steigerkorps (Lieutenant)
2 Wachtmeister
2 Korporale
8 bis l0 Mann Steiger
12 bis 16 Mann Schlauchmannschaft
9 Mann Spritzenmannschaft
24 bis 32 Mann Druckmannschaft

Der 2. Löschzug (Löschzug Gerliswil) ist grundsätzlich gleich organisiert. Etwas anders sieht es mit dem 3. Löschzug (Löschzug Emmenweid) aus:

Material:
1 Spritze mit l0 m Saug- und l00 m Transportschläuchen, l Hydrantenwagen mit 200 m Transportschläuchen, 1 Schiebleiter von 15 m Länge mit 8 Dachleitern, 1 Gerätschaftswagen mit einer grossen Standleiter, l0 Anstelleitern, 6 grosse und 20 kleine Feuerhaken und zirka l00 Stück hölzerne Wasserkübel.

Personal:
1 Kommandant (Lieutenant)
1 Spritzen- und Hydrantenchef und Stellvertreter (Wachtmeister und Korporal)
1 Steigerchef und Stellvertreter (Wachtmeister und Korporal)
1 Chef der Hilfsmannschaft und Stellvertreter (Wachtmeister und Korporal)
l0 bis 12 Mann Spritzen- und Hydrantenmannschaft
8 bis l0 Mann Steiger
12 bis15 Mann Hülfsmannschaft

Die spezielle Ausrüstung und Organisation des 3. Löschzuges weist auf seine zusätzliche Aufgabe als Wasserwehr (Hochwasser Kl. Emme) hin!

Neu im Reglement von 1908 sind die Besoldungsansätze:

Im Übungs- und Branddienste wird die Arbeitsstunde per Feuerwehrsoldat mit 50 Cts., per Unteroffizier mit 70 Cts. und per Offizier mit Fr. 1.- besoldet.

Im Reglement von 1884 ist keine Besoldung vorgesehen. Es hält lediglich fest, dass der Feuerhauptmann die Vollmacht hat, den hilfeleistenden Mannschaften auf Rechnung der Gemeindekasse (Polizeikassa) eine mässige Erfrischung zukommen zu lassen.

Als Neuerung wird ab 1919 ein eigenes Protokoll der Feuerwehrkommission geführt. Wie in anderen Bereichen beginnt nun auch auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens eine rasante Entwicklung: Löschgerätschaften (Automobile), Löschmittel und Löschtechnik werden laufend verbessert. Auch die Feuerwehr Emmen verschliesst sich diesen Neuerungen nicht. 1924 wird eine mechanische Schiebeleiter beschafft, 1928 die heute noch im Einsatz stehende Autospritze FBW. 1924 kann der Löschzug Emmen sein neues „Spritzenhaus“ beim Schulhaus beziehen. Dieses Magazin erstrahlt nach einer kürzlichen Renovation wieder im alten Glanze und dient noch heute dem Löschzug Emmen, sowie dem Motorspritzenzug als Gerätehaus.

1931 wird - den Erfordernissen der Zeit entsprechend - eine erste Pikettabteilung formiert. Erste Eingeteilte werden an die Telefonalarmstelle angeschlossen. Die Zentrale befindet sich auf dem Polizeiposten Gerliswil. Bei einem Grossbrand soll aber die Feuerwehr nach wie vor durch das Läuten der Kirchenglocken alarmiert werden. Augenzeugen können sich auch daran erinnern, dass noch in dieser Zeit der Feuerwächter per Velo durch das Dorf Gerliswil fuhr und die Eingeteilten per Horn alarmierte.

1933 schafft die Feuerwehr nach eingehender Prüfung sechs Rauchfiltermasken an. Man könnte dies als Anfang des Atemschutzes bezeichnen. Die ersten richtigen Atemschutzgeräte erhält aber die Feuerwehr nach Ende des 2. Weltkrieges. Vom Luftschutz werden drei Kreislaufgeräte übernommen und auf dem Pikettwagen versorgt.
Auf Drängen der Feuerwehrkommission entsteht 1934 ein neues Reglement. Darin sind die zahlreichen Neuerungen der vergangenen Jahre berücksichtigt.

Mitte der Dreissigerjahre befasst sich die Feuerwehrkommission auch mit einer Reduktion des Mannschaftsbestandes. Es mögen hier vor allem Spargründe im Vordergrund gestanden haben. Zudem war mit der gebildeten Pikettgruppe natürlich eine schnell alarmierbare Teilwehr vorhanden. Ebenfalls aus finanziellen Gründen wurde erwogen, die Autospritze FBW nicht mehr, oder nur noch im äussersten Notfall einzusetzen. Die Unterhalts- und Reparaturkosten für das Fahrzeug waren in den letzten Jahren erheblich angestiegen und belasteten das Feuerwehrbudget. Die Feuerwehrkommission kommt überein, die FBW-Autospritze nach wie vor im Einsatz zu behalten, jedoch mit einer gewissen Zurückhaltung.

In den Jahren des 2. Weltkrieges war die Tätigkeit der Feuerwehr infolge Aktivdienstes vieler Eingeteilter sehr eingeschränkt. So mussten entweder Ehemalige oder ganz junge Leute in die Wehr aufgenommen werden. Das Übungsprogramm beschränkte sich auf das notwendigste.

Beim irrtümlichen Bombardement der Stadt Schaffhausen im Jahre 1944 wurde ein Teil des dortigen Hydrantennetzes lahmgelegt. Unter diesem Eindruck beschliesst die Feuerwehr Emmen die Anschaffung einer Brun-Motorspritze. 1946 beschafft die Feuerwehr ihr zweites Motorfahrzeug. Ein Occasionsfahrzeug der Marke „Packard“ wird von einer einheimischen Carosseriefirma zu einem Pikettauto umgebaut. Dieses Fahrzeug war ein eigentliches Prunkstück und versah seinen Dienst bis anfangs der 60er Jahre. Seine elegante und markante Form liessen das Fahrzeug weitherum für Aufsehen sorgen. Wie die beiden alten Saugspritzen und auch andere „antike“ Ausrüstungsgegenstände der Feuerwehr, verschwand der „Packard“ nach seiner Ausmusterung an einem unbekannten Ort. Trotz verschiedentlicher Bemühungen, konnte bisher nicht herausgefunden werden, ob das Fahrzeug noch existiert.

Die Mannschaftsausrüstung erfuhr im Jahre 1948 eine markante Änderung. Die typischen Lederhelme mit dem Messingkamm konnten durch den Stahlhelm ersetzt werden. Der neue Helm bot nicht nur besseren Schutz, sondern das Erscheinungsbild des Eingeteilten erhielt damit auch eine Anpassung an die Neuzeit.

Von 1950 bis heute

Das wesentliche Merkmal der letzten 35 Jahre besteht in einer ständigen Zunahme der Aufgaben der Feuerwehren. Parallel dazu laufen die ständigen Verbesserungen, Anpassungen und Neuentwicklungen der Gerätschaften. Damit verbunden ist auch eine vielseitigere und anspruchsvollere Ausbildung. So sind diese Jahre in der Feuerwehr Emmen gekennzeichnet durch Ausbau und Ersatz des Fahrzeugbestandes, durch Übernahme neuer Aufgaben, durch eine Zunahme der Einsatzzahlen und ein Anwachsen der Übungsstunden. Die folgende Übersicht hält einige Marksteine dieser Entwicklung fest:

1950 Abschluss der Neueinkleidung der Gesamtfeuerwehr

1951 Die Platzverhältnisse auf dem Pikettfahrzeug sind prekär. Als Transport und Zugfahrzeug für die Motorspritze wird ein Jeep beschafft.

1956 Ankauf eines Taunus-Kastenwagens. Dieses Fahrzeug diente bis 1984 als Atemschutzwagen für den Transport der Pressluft-Atemschutzgeräte.

1957 Erste Bestrebung zur Anschaffung eines Grosslöschfahrzeuges mit Wassertank, Schaumextrakt und Pulver.

1960 Das Tanklöschfahrzeug „Saurer“ und das Pulverlöschfahrzeug „Unimog“ werden in Dienst gestellt. Beide Fahrzeuge werden in der Garage neben dem Sprengischulhaus eingestellt, wo bisher die Autospritze FBW stationiert war.
Das Tlf „Saurer“ steht heute noch im Einsatz. Das Pulverlöschfahrzeug wurde Ende 1984 durch das neue, kombinierte „Chemie-/Pionier-/Pulverfahrzeug“ ersetzt.

1961 Die Feuerwehr Emmen erhält weitere Zug- und Transportfahrzeuge der Marke „Rover“.

1972 Das Magazin an der Neuenkirchstrasse (gegenüber Hotel Landhaus) wird bezogen.

1975 Mit der Ablieferung des Ölwehrfahrzeuges „Magirus“ erhält die Feuerwehr eine neue Einheit. Die Platzverhältnisse werden immer problematischer. Die Fahrzeuge und Gerätschaften der Wehr sind nun an vier verschiedenen Orten unserer Gemeinde eingestellt (Magazin Emmen/Werkhof/Altes Gemeindehaus/Magazin Neuenkirchstrasse). Eine neue Lösung drängt sich auf.

1980 Ablieferung der Autodrehleiter

1984 Bezug und Einweihung des neuen Feuerwehrgebäudes. Anschaffung eines neuen Tlf „Unimog“, sowie des kombinierten „Chemie-/Pionier-/Pulverfahrzeuges“

1985 Das neue Atemschutzfahrzeug „Iveco“ wird ausgeliefert.

Bericht von Hans-Peter Spring

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